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14 Mio. £ für schottische Wellenenergie

renewsWie heute während der „Wave & Tidal“ Konferenz bekannt gegeben wurde, investiert die schottische Regierung 14 Mio. Pfund in eine neue Initiative für die Wellenenergie. Damit können die zwölf verbliebenen ehemaligen Pelamis Mitarbeiter unter der Führung von Richard Yemm in der Gesellschaft: „Wave Energy Scotland“ die Entwicklung unter staatlicher Förderung weiterführen. Details hier.

 

Tiefe Wasser sind nicht still

Die höchsten und stärksten Wellen gibt’s auf Hawaii, genau gesagt auf Maui, am Strand von Jaws um ganz genau zu sein. Warum?

Surfer Hawaii (CC0 1.0)

Surfer Hawaii (CC0 1.0)

Tiefwasserwellen des Nord-Pazifiks treffen ungebremst auf die steil abfallende Küste, denn so wie die Vulkankrater der Insel aufragen, geht es unter Wasser weiter. 4 km vom Strand entfernt, erreicht die Wassertiefe über 4 km. So geht keine Wellenenergie durch Reibung am Meeresgrund verloren und die Welle baut sich an den Riff- und Felsformationen vor dem Strand auf und bricht genau an der Stelle, wo die Surfer darauf warten. Die Winterstürme im Nordpazifik produzieren fleißig Wellennachschub und die lange Dünung läuft über den Ozean bis nach Hawaii. Still steht der Ozean trotz seines Namens selten. Doch auch der Nordatlantik hat es in sich. In Biarritz wissen Frankreichs Surfer die Wellen zu nutzen, doch auch 10 % der europäischen Energieversorgung könnte so bestritten werden. Das Zentrum für maritime Energien EMEC ist auf den wellenumtosten Orkney`s in Nordschottland. Im Unterschied zu den Stränden von Hawaii und Biarritz steigt der Meeresgrund vor Schottland durch den europäischen Kontinentalschelf bereits hunderte Kilometer vor der Küste an. So sind die Wellen zwar nicht so attraktiv für Surfer und der größte Teil der Energie geht bereits weit vor der Küste verloren, doch die noch in den Kinderschuhen steckenden Wellenkraftwerke sind auch mit mittelgroßen Wellen ausreichend gefordert. Vielfach zerstörten Stürme die Bojen, Platten, Klappen, Seeschlangen oder Pontons der Prototypen.  Seeklima, Salzwasser und Bewuchs taten das Übrige. So wurden die ambitionierten Wellenenergieprojekte (Pelamis und Aquamarine) Ende letzten Jahres eingestellt. 70 Jobs gingen bei den Unternehmen verloren. Weder der öffentliche noch der private Sektor waren bereit, Investitionen von 200 Millionen Pfund zu tätigen, um die Technologie in die Wirtschaftlichkeit zu führen. Pelamis häufte  Verbindlichkeiten von 15 Mio. Pfund an. Trotz einer intensiven Debatte über die Zukunft der Industrie letzten Donnerstag im schottischen Parlament, bleibt das Hauptproblem der Wellenenergie erhalten: um die Maximalbelastung im Sturm beherrschbar zu machen, müssten riesige Anlagen zu hohen Kosten gebaut werden, was durch den niedrigen durchschnittlichen Stromertrag am liberalisierten Markt schwer refinanzierbar ist. Die 70er und 80er, als Wind- und Solarenergie auf dem Entwicklungsstand waren, wie jetzt die  Wellenenergie und Staat und Profit strotzende Energiekonzerne die Entwicklungskosten der Erneuerbaren aus der Portokasse finanzierten, sind vorbei.

Aber nehmen wir einmal an, ein Wellenenergiekollektor könnte so groß und sicher wie ein Schiff sein. Ein Schiff, was entsprechend seiner Größe für lange und starke Tiefwasserwellen auf den Ozeanen oder für die Küstenmeere ausgelegt ist. Und natürlich braucht man ein Schiff nicht ohne weiteren Zweck dorthin bringen. Wichtige Fahrtrouten führen über den Nordpazifik und den Nordatlantik, um das Kap Horn und das der Guten Hoffnung vorbei an den Sturmgebieten. Und natürlich hat ein Schiff erheblichen Energiebedarf und ganz andere Energiekosten als im liberalisierten Strommarkt von Deutschland oder Britannien – aber das ist eine andere Geschichte…