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Was kostet eine Kilowattstunde?

Mein geschätzter VWL-Prof. antwortete auf solche Fragen immer mit: „Das kommt darauf an!“ Richtig: Auf das wann und wo! Eine Kilowattstunde kostete 2014  für deutsche Haushaltskunden   29,13 ct … einheitlich für jede Stunde im ganzen Jahr. Darin waren gerade noch 25,1 % für die Stromerzeugung, aber auch 21,4 % für die EEG-Umlage zur Finanzierung der erneuerbaren Energien enthalten. Nur wird der Strom auch immer zu gleichen Kosten erzeugt? Die Zusammensetzung des Strompreises 2014
Nein!
Tatsächlich schwanken die Erzeugungs-kosten insbesondere in Zeiten der Energiewende sehr stark. Warum ist das so? Strom ist nicht speicherbar. Die Elektronen, die durch die Leitungen „strömen“, müssen genau in der Sekunde erzeugt werden, wenn der Stromkunde Energie benötigt. Genau so wie ich, als ich gerade meinen Laptop einschaltete, um diesen Artikel zu schreiben. Draußen scheint gerade die Mittagssonne, es ist leichter Wind, heute Abend sieht es dann ganz anders aus und damit das Angebot an Strom.  An der Strombörse EEX kostet der Strom für heute Mittag 12-13 Uhr 2,951 ct/kWh  zur  „Wind- & Sonnen-Primetime“ und um 19-20 Uhr 6,567 ct/kWh, wenn Wind und Sonne weg sind und die Fernsehgeräte an. Gleichzeitig wollen wir sicher sein, dass jederzeit Energie da ist. Also müssen ständig alle übrigen Kraftwerke die Schwankungen der Erneuerbaren und des Bedarfs ausgleichen. Und das zu  möglichst günstigen Kosten bei gleichzeitig schnellem Wachstum der grünen Energie. Merrit Order mit Nachfrage und Angebotsverschiebung NEU

In der Grafik sind beispielhaft variable Kosten der Kraftwerke (ähnlich Merrit Order) dargestellt, wobei jeder Balken genau 1 % der Energieerzeugung in Deutschland 2013 repräsentiert. (Kosten*; Anteile gem. BDEW). Ganz links sind die erneuerbaren Energien, weil sie keine variablen Kosten bei der Erzeugung (Wind, Sonne und Regen fallen kostenlos vom Himmel) wie die anderen Kraftwerke haben (insbesondere Kosten für Kohle bzw. Gas und CO2-Zertifikate). Aber nur die variablen Kosten bestimmen den kurzfristigen Börsenpreis an der EEX. Ganz rechts ist ein einziger schwarzer hoher Balken: Mineralöl! Wind- und Sonnenangebot schwanken sehr stark (blau gelbe Pfeile), ebenso wie der  Energiebedarf (schmale rote Linie mit Pfeilen) und schieben damit den Strom-Mix hin und her! Und dort wo die  Nachfrage und Angebot sich treffen entsteht der Preis. Ein einzelner Stromkunde fällt natürlich nicht ins Gewicht, wenn ich z. B. gleich meinen Laptop ausschalte und raus gehe, ist das für die Strompreise so wichtig, wie der Sack Reis der in China gerade umfällt. Wenn wir aber alle unsere Laptops und Fernsehgeräte abschalten und auch alle Produktionsanlagen stillstehen und gleichzeitig kräftige Winde wehen, dann passiert das, was Weihnachten 2012 los war:
Spotpreise Weihnachten 2012

Am ersten und zweiten Weihnachtstag jeweils zwischen 0 und 9 Uhr lagen wir natürlich alle mit Festtagsbraten im Bauch  im Bett und träumten schon davon, was wir alles mit unseren schönen Weihnachtsgeschenken anfangen. Von dieser weihnachtlichen Stille völlig unbeeindruckt, produzierten die deutschen Windkraftanlagen durch einen kräftigen Sturm 689 Millionen kWh, welche, weil nicht benötigt, über die Leipziger Strombörse EEX „verschenkt“ wurden und die Beschenkten bis zu 22,2 ct/kWh als „Geldgeschenk“ noch dazu erhielten. Dabei entstand ein Schaden von 144,88 Millionen € zu Lasten aller deutschen Stromverbraucher, den wir über die EEG-Umlage alle gezahlt haben. Schöne Bescherung!

Nur was hat das alles mit Schiffen zu tun?

Auf einem Schiff  wird ausschließlich d.h. zu 100 % durch Mineralöl Energie erzeugt. Statt einem stehen 100 schwarze Kostenbalken nebeneinander. Und ein Schiff braucht genau dann am meisten Energie, wenn es gegen einen Sturm ankämpfen muss. Wie wär es denn, genau dann erneuerbare Energie liefern zu können „wenn es darauf ankommt“?

(*aufgrund stark schwankender Öl-, Steinkohle- und Erdgaspreise können dargestellte 
Kostenbalken für die Kraftwerke nur eine sehr grobe Orientierung sein.)

Wann wird’s mal wieder richtig Winter?

Die Haselnuss blüht, die Krokusse sprießen und die Kröten erwachen: Der Frühling ist da!
Es ist Ende Januar. Hatten wir Winter? Nein! Sind die beiden letzten Winter noch normales Klima oder zufällig so warm? Ich habe so meine Zweifel. 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 2015 startet nicht anders. Die Alpen- und Grönlandgletscher und die Polkappen tauen ab.  Statt die Erde unbewohnbar zu machen, müsste die Menschheit umgehend von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umsteuern, so Forscher. Müsste man, müsste man… nur wer und wo?

Rund 3 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stammen von Seeschiffen. Jährlich werden 330 Mio. Tonnen Schweröl (MFO) in Schiffsdieseln verbrannt. Als Energieträger auf Schiffen dient damit fast ausschließlich fossiler Brennstoff. Und das obwohl die Schiffe  ständig von Wind und Wellen und damit erneuerbaren Energiequellen umgeben sind. Zweifellos: Schiffe sind im Vergleich zu Bahn, LkW und Flugzeugen hoch effiziente Verkehrsträger und transportieren 80 % des weltweiten Handelsvolumens und z. B. 1,68 Mio. deutsche Kreuzfahrt-Passagiere über die Meere. Doch geht es auch effizienter? Geht es umweltfreundlicher? Geht es mit Nutzung erneuerbarer Energiequellen? Und geht es auch mit weniger Seefrachtschäden, profitabler für die Reedereien und komfortabler für die Passagiere?

Wie wär es denn, die sinnlose Schaukelei von Schiffen in nutzbare Energie umzuwandeln? Seit Menschengedenken schwanken Schiffe. Alle bisherigen Technologien verbrauchen Energie, um ein Schiff zu stabilisieren. Ich halte das für einen Widerspruch. Es wird doch Energie von der Welle auf das Schiff übertragen und es beginnt zu schaukeln. Warum wendet man dann weitere Energie auf, um das Schaukeln zu mindern? Weitere Energie, welche aus fossilen Energieträgern produziert wird? Mit hohen Kosten für den Reeder und den bekannten Folgen für den Klimawandel?

Es wird Zeit das zu ändern, denn seit dem Gassenhauer von Rudi Carrell sind die Alpengletscher um 1/3 geschmolzen…  Und wann wird’s mal wieder richtig Winter?