Pico OWC

Küsten OWCAuf der Azoreninsel Pico wurde zwischen 1995 und 1999 ein OWC Wellenkraftwerk mit 4 Mio. € aus Mitteln der Europäischen Kommission, des portugiesischen Staates, des nationalen Stromkonzerns EDP sowie des regionalen Stromversorgers EDA errichtet. Die Anlage wurde auch im Rahmen der Weltausstellung Expo 1998 in Lissabon vom koordinierende Institut für Zukunftsweisende Technologien (Instituto Superior Técnico, IST) vorgestellt. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Queens University in Belfast und das irische University College in Cork. Besonders vorteilhaft ist die Lage des Kraftwerkes am Cachorro Strand an der Nordküste der Vulkaninsel an dem das Lavafeld auf das Meer trifft und die Felsformationen unter Wasser vor der Küste die Wellenenergie des Nordatlantiks noch verstärken. Auch die Anbindung an das Straßen- und Stromnetz und der Flughafen in unmittelbarer Nähe sind sehr günstig. Der Rotordurchmesser der Wells-Turbine beträgt 2,3 Meter, die nutzbare Drehzahl wurde auf einen Bereich von 750 und 1500 Umdrehungen pro Minute erweitert. Die maximale Leistung des in einer weiten Geschwindigkeitsspanne arbeitenden Generators beträgt 400 kW, welcher auch als Motor zum Anfahren der Turbine eingesetzt wird. Pico_azulVon den beiden 100 Meter landeinwärts stehenden Containern wird die Anlage gesteuert und Vibrationen, Temperaturen,  Schmierung der Turbinenlager, Ventilpositionen, Umdrehungsgeschwindigkeit, Wellenhöhe und Leistung kontrolliert. PICO OWCDie unmittelbare Nähe des fauchenden Monsters ist auch eher unangenehm. So fühlten sich die Bewohner des Küstendörfchens Porto Cachorro  belästigt. Lärmschutzmaßnahmen linderten den Lärmpegel etwas, doch die Geräuschkulisse des OWC-Kraftwerks ist nach wie vor beachtlich. Erste Tests fanden im Oktober 1999 statt. Aufgrund von Überschwemmungen, Ausfällen und Fehlfunktionen von Komponenten insbesondere der Turbine kam es zu Verzögerungen der Tests und der Inbetriebnahme der Anlage.  Zu dem auch bei anderen Wellenenergieprojekten üblichen Kampf mit den Elementen gesellten sich Probleme mit einem lokalen Bauunternehmer auf dem die Regionalregierung bestanden hatte und die Abgelegenheit der Insel zu der die einfachsten Elektronikbauteile eingeflogen werden mussten. Nachdem die Anlage schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde und vor dem Aus stand schlossen sich 2003 verschiedene Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungsgesellschaften zum Wave Energy Centre (WavEC) zusammen, um die Anlage zu überholen. In die Anlage wurde der vergleichsweise bescheidene Betrag von 1,2 Mio. investiert und der Weiterbetrieb ab 2006 ermöglicht, doch bereits 2007 lief die Anlage wieder nur gelegentlich. In den Test-Zeiträumen von September-November 2005 und Juni-Oktober 2006 wurde insgesamt nur eine (1!) Megawattstunde ins lokale Netz der Insel eingespeist. 2008 wird mit dem portugiesischen Energieversorger EDP ein Vertrag zur kontinuierlichen Nutzung derPico_overlapping Anlage geschlossen, doch noch im gleichen Jahr stand die Anlage wegen starken Schäden im Beton bereits wieder und der Weiterbetrieb wurde ausgesetzt. Das WavEC investierte wiederum 150.000 € und führte Verbesserungen durch, so dass das Kraftwerk 2010 von Mai bis September 1.450 Betriebsstunden im automatischen Betrieb lief insgesamt 45 MWh Strom produzierte. Die Installation der zweiten Plattform zur Prüfung von Turbinen erfolgte 2011. Pico war von Anfang an dafür ausgelegt, zwei gleich große Turbinenkanäle aufzunehmen, in denen Turbinen von 100 bis 700 kW geprüft werden können. Im März 2013 wurden Hardware- und Softwareprobleme gelöst, Tests und Unterwasserinspektionen durchgeführt und die Anlage kurzzeitig betrieben, doch von einem reibungslosen Dauerbetrieb kann nicht die Rede sein. Die aktuelle Situation des  Pico OWC ist wiederum ernüchternd: Durch die fortschreitende Korrosion des Stahlbetongerüstes und die Einwirkung der anhaltenden Zerstörungskraft der Wellenenergie besonders in Stürmen steht die Anlage vor dem Kollaps. Erosion hat mehrere Löcher in den getauchten Bereich der Betonstruktur gefressen, wodurch die rostenden Teile der Armierung freiliegen. Der Meeresboden um die Fundamente der Wellenenergieanlage herum ist stark erodiert, abgetragen offenbart ebenso rostendes Eisen des Stahlbetonfundamentes . WavEC suchte bis vor kurzem Investoren für die 1,5 Mio. € Kosten zur Erneuerung der Anlage unter anderem mit der Initiative „Save The Pico Power Plant“. Die Kampagne wurde auch von dem prominenten portugiesischen Surfer Tiago ‚Saca’ Pires unterstützt. Doch trotz einer Zuwendung des lokalen Energieversorgers EDP über 50.000 € gelang es nicht, die gesamten Mittel für die Erneuerung der Anlage zu sammeln. Die Kampagne wurde Ende April 2015 aufgegeben.

Die OWC-Wellenkraftwerke an der Küste:

Bildquelle: WavEC Offshore Renewables

Inhaltsquellen: WavEC Offshore Renewables, K.-U. Graw: Wellenenergie – eine hydrodynamische Analyse